Was eine Fehlanfahrt kostet: Wie Montagebetriebe sie in den Preisen für 2027 und in der Planung abfangen
Der Monteur steht im Keller eines Wohnblocks vor dem Zählerraum, und die Tür ist abgeschlossen. Den Hausmeister erreicht er am Telefon nicht. Nach einer Viertelstunde fotografiert er die Tür und wirft eine Karte in den Briefkasten des Hausmeisters. Der Zählerwechsel landet wieder bei der Disposition.
Wer im Herbst 2026 Stückpreise und Rahmenverträge für 2027 mit Netzbetreibern, Messstellenbetreibern, Wohnungsunternehmen oder Generalunternehmern verhandelt, sollte solche Anfahrten einkalkulieren. Zum 1. Januar 2027 steigt außerdem der gesetzliche Mindestlohn, und nach Stand Juli 2026 auch das Mindestentgelt in den Elektrohandwerken, sofern dessen Tarifvertrag nicht bis Ende September 2026 gekündigt wird.
Wir rechnen eine Fehlanfahrt einmal durch und zeigen dann, wie Sie sie einpreisen, im Vertrag regeln, vor Ort belegen und seltener machen.
Mindestlöhne 2027 für Ihre Teams
Der gesetzliche Mindestlohn steigt am 1. Januar 2027 von 13,90 Euro auf 14,60 Euro brutto je Zeitstunde, also um 5,0 %. Das regelt die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5) der Bundesregierung vom 5. November 2025.
In den Elektrohandwerken gilt laut Übersicht des BMAS (Stand 9. Juli 2026) bundesweit ein allgemeinverbindliches Mindestentgelt von 14,93 Euro für 2026 und 15,49 Euro ab 1. Januar 2027. Erfasst sind Betriebe und selbständige Betriebsabteilungen, die elektro- und informationstechnische Anlagen handwerksmäßig installieren oder instand halten. Dazu zählen ausdrücklich auch Kommunikations- und Datennetze sowie der Ortsnetz- und Kabelbau. Glasfaserbetriebe können also darunter fallen. Nicht erfasst ist ein Betrieb, wenn nachgewiesen wird, dass seine baulichen Tätigkeiten einschließlich baulicher Nebenpflichten kalenderjährlich mehr als 50 % der Gesamtarbeitszeit ausmachen. In den erfassten Betrieben gilt das Mindestentgelt für Beschäftigte, soweit sie elektro- oder informationstechnisch arbeiten, nicht aber für Auszubildende; die Ausnahmen des § 22 MiLoG gelten entsprechend.
Aus unserer Sicht heißt das: Für Betriebe, die Stromzähler wechseln, spricht viel dafür, dass das Elektro-Mindestentgelt gilt, für Betriebe, die nur Wasser- oder Wärmezähler tauschen, eher nicht.
Außerhalb dieses Geltungsbereichs, etwa bei Tiefbaubetrieben im Glasfaserausbau, ist nach Stand Juli 2026 der gesetzliche Mindestlohn die Untergrenze, soweit kein anderer Branchenmindestlohn oder Tarifvertrag gilt. Für das Bauhauptgewerbe führt die BMAS-Übersicht keinen Branchenmindestlohn.
Der Tarifvertrag über das Mindestentgelt in den Elektrohandwerken kann mit dreimonatiger Frist erstmals zum 31. Dezember 2026 gekündigt werden, also mit Erklärung bis Ende September 2026. Wird er gekündigt, gilt ab 2027 der gesetzliche Mindestlohn als Untergrenze. Prüfen Sie den Stand vor jeder Preiszusage beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) oder bei Ihrer Innung.
Was eine Fehlanfahrt kostet
Rechnen Sie nur mit dem, was die Fehlanfahrt tatsächlich verbraucht. Das folgende Beispiel beruht auf Annahmen, nicht auf Marktwerten. Setzen Sie Ihre eigenen Zahlen ein:
- Team: ein Monteur, interner Stundensatz 52 Euro ohne Fahrzeug und Büro
- Arbeitszeit: 20 Minuten Anfahrt und 15 Minuten vor Ort für Klingeln, Warten, Anrufe und Foto, zusammen 30,33 Euro
- Fahrzeug: 12 zusätzliche Kilometer zu 0,40 Euro Vollkosten je Kilometer, also 4,80 Euro
- Büro: 15 Minuten für Umbuchen und Information des Auftraggebers zu 45 Euro je Stunde, also 11,25 Euro
Zusammen sind das 46,38 Euro. Fährt eine Zweierkolonne, zählt die Arbeitszeit doppelt, und es sind 76,72 Euro.
Der interne Stundensatz ist nicht der Lohn. Er ergibt sich aus den Lohnkosten eines Jahres mit Arbeitgeberanteilen plus einem Anteil der Gemeinkosten, geteilt durch die produktiven Stunden: alle Stunden an Aufträgen einschließlich der Fahrten dazwischen, ohne Abwesenheiten und Schulungen. Stecken Fahrzeug und Büro schon in Ihrem Satz, nehmen Sie beim Fahrzeug nur die variablen Kosten und lassen die Bürozeile weg, sonst zählt etwas doppelt.
Für den Stückpreis insgesamt zählt die neue Lohnuntergrenze, wenn Ihre Löhne nahe an ihr liegen, denn dann betrifft sie jede Arbeitsstunde. Bei der einzelnen Fehlanfahrt macht der Sprung dagegen wenig aus: Für 35 Minuten steigt der Lohnanteil gegenüber 2026 um 0,33 Euro beim Elektro-Mindestentgelt und um 0,41 Euro beim gesetzlichen Mindestlohn, jeweils brutto ohne Arbeitgeberanteile. Teuer wird die Fehlanfahrt durch den vollen Stundensatz, in den auch Ihre eigenen Lohnerhöhungen für 2027 einfließen, und durch ihre Häufigkeit.
Vom Einzelfall zum Stückpreis
Entscheidend ist, wie oft eine Anfahrt scheitert. Nehmen Sie Ihre eigene Quote aus einem vergleichbaren Projekt, keinen Branchenwert. Angenommen, jeder zehnte Besuch scheitert. Dann kommt auf neun fertige Einheiten eine Fehlanfahrt, mit den 46,38 Euro aus dem Beispiel also rund 5,15 Euro je Einheit. Scheitert jeder fünfte Besuch, kommt auf vier Einheiten eine Fehlanfahrt, also rund 11,60 Euro. Mit dieser Rechnung zeigen Sie auch dem Auftraggeber, was ihm eine saubere Terminbestätigung wert ist.
Bleibt noch die Zeit, die für den eigentlichen Einsatz eingeplant war. Setzen Sie sie entweder als bezahlte, aber ungenutzte Arbeitszeit an oder als entgangenen Deckungsbeitrag, also Stückpreis minus die Kosten des Einsatzes. Nehmen Sie nur eine Sicht; der volle Stückpreis zusätzlich zur Arbeitszeit wäre doppelt gezählt. Der Deckungsbeitrag hilft eher bei internen Fragen, etwa ob sich ein zusätzlicher Bestätigungsanruf lohnt. Füllt ein Pufferauftrag in der Nähe diese Zeit, fällt dieser Teil weitgehend weg.
Was im Rahmenvertrag stehen sollte
Eine Fehlanfahrtpauschale gibt es nicht von Gesetzes wegen, nur durch Vertrag. Ohne Klausel kommt beim Werkvertrag grundsätzlich eine Entschädigung nach § 642 BGB in Betracht, beim Dienstvertrag die vereinbarte Vergütung nach § 615 BGB, daneben der Ersatz von Mehraufwendungen nach § 304 BGB. Alle diese Ansprüche setzen voraus, dass Ihr Vertragspartner in Annahmeverzug gerät. Der Bewohner ist aber meist nicht Ihr Vertragspartner. Regeln Sie deshalb, wer für den Zugang verantwortlich ist.
Ist die VOB/B vereinbart, müssen Sie eine Behinderung unverzüglich schriftlich anzeigen (§ 6 Abs. 1 VOB/B). Sonst bleibt der Anspruch nach § 642 BGB nur erhalten, wenn dem Auftraggeber die hindernden Umstände und ihre Wirkung offenkundig bekannt waren (§ 6 Abs. 6 Satz 2 VOB/B).
Steht die Pauschale in Ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und ist sie als pauschalierter Schadensersatz gestaltet, setzt § 309 Nr. 5 BGB Grenzen. Sie darf den gewöhnlich zu erwartenden Schaden nicht übersteigen, und der Nachweis eines fehlenden oder wesentlich geringeren Schadens muss ausdrücklich erlaubt sein. Gegenüber Unternehmern gilt § 309 nicht direkt (§ 310 Abs. 1 BGB), seine Wertungen können aber über § 307 BGB greifen. Nach § 307 kann außerdem schon eine unklare Klausel unwirksam sein. Definieren Sie die Fehlanfahrt deshalb genau.
In den Rahmenvertrag gehören aus unserer Sicht diese Punkte:
- Definition: Eine Fehlanfahrt liegt vor, wenn der Termin wie vereinbart angekündigt oder bestätigt war und das Team im Zeitfenster mit Ausweis vor Ort war, die Arbeit aber an Gründen außerhalb Ihres Verantwortungsbereichs scheiterte: niemand da, Zugang verweigert, Zählerraum verschlossen oder falsche Gerätedaten vom Auftraggeber. Kam Ihr Team zu spät oder fehlte eigenes Material, ist es keine Fehlanfahrt.
- Technischer Abbruch: als eigene Position mit eigenem Preis, etwa bei einem Zählerplatz, der nicht den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers entspricht.
- Absagefrist: Bis zu einer festen Uhrzeit am Vortag sagt der Auftraggeber kostenfrei ab.
- Mindestaufwand: wie lange das Team wartet und wie oft es anruft.
- Pauschale: auf Basis Ihrer belegten Kosten, nicht des Stückpreises.
- Nachweis: welche Belege bis wann beim Auftraggeber sein müssen.
- Rückgabe: Nach dem zweiten erfolglosen Versuch geht der Auftrag an den Auftraggeber zurück.
Ebenso wichtig ist, was der Auftraggeber zum Zugang beitragen muss. Bei Strom- und Gaszählern im Niederspannungs- bzw. Niederdrucknetz muss der Anschlussnehmer oder -nutzer dem Beauftragten des Netz- oder Messstellenbetreibers mit Ausweis grundsätzlich „nach vorheriger Benachrichtigung“ Zutritt gewähren, soweit das erforderlich ist, auch zum Austausch der Messeinrichtung (§ 21 NAV, § 21 NDAV). Beim Einbau eines intelligenten Messsystems durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber verlangt § 38 MsbG eine schriftliche Benachrichtigung mindestens zwei Wochen vorher und mindestens einen Ersatztermin. Für den Hauswasserzähler des Wasserversorgers nennt § 16 AVBWasserV keine Ankündigungsfrist und verlangt Zutritt nur, soweit er erforderlich und vereinbart ist. Bei Wasser- und Wärmezählern in Mietwohnungen richtet sich der Zutritt dagegen nach Mietvertrag und Mietrecht (§ 555a BGB); den Einbau von Geräten zur Erfassung von Heizung und Warmwasser müssen Nutzer außerdem nach § 4 Abs. 2 HeizkostenV dulden. Legen Sie im Vertrag fest, wer die Bewohner benachrichtigt und wer Gerätedaten und Schlüssel liefert.
Nachweise vor Ort
Eine Pauschale ist nur so gut wie der Nachweis. Der Monteur hält ihn am besten sofort fest, nicht erst am Abend:
- Zeitstempel für Ankunft und Abfahrt
- Standort zum Zeitpunkt der Statusmeldung, keine laufende Ortung
- Fotos vom Hauseingang mit Hausnummer oder von der verschlossenen Zählerraumtür, ohne Personen und lesbare Klingelschilder, dazu ein Foto der hinterlassenen Karte
- Kontaktversuche per Anruf oder SMS mit Uhrzeit, am besten aus dem Systemprotokoll
- Hinderungsgrund aus einer festen Liste: nicht angetroffen, kein Zugang, Zugang verweigert, Gerät oder Daten falsch, Material fehlt, technischer Mangel
- Notiz, etwa „Hausmeister angerufen, nicht erreichbar“
Zeitstempel und Standort sind auch personenbezogene Daten Ihrer Beschäftigten. Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er bei Einführung und Anwendung einer solchen Erfassung mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Lassen Sie das Verfahren außerdem vorab datenschutzrechtlich prüfen, und halten Sie nur fest, was der Nachweis braucht.
Schicken Sie dem Auftraggeber jede Woche eine Liste der Fehlanfahrten nach Hinderungsgrund und Adresse, mit Belegen. Ihre Quote je Projekt und Gebiet zeigt, in wessen Bereich die Ursachen liegen, und ist eine Grundlage für die Preisgespräche.
Fehlanfahrten vermeiden
In der Planung. Feste Zeitfenster bekommen aus unserer Sicht nur bestätigte Termine. Unbestätigte legen Sie auf der Tour neben einen Pufferauftrag mit freiem Zugang, etwa einen Zählertausch in einem Zählerraum, zu dem ein Schlüssel hinterlegt ist. Scheitert ein Termin, fährt das Team dorthin.
Bündeln Sie außerdem nach Gebäude und Straße, etwa mit einem festen Hausmeistertag pro Liegenschaft, an dem alle Zählerräume offen sind. Vor der Tour prüft die Disposition jeden Auftrag: Zählernummer und Einbauort, reserviertes Material, Türcode oder Schlüssel und die Qualifikation des Teams. Schickt der Bewohner vorab ein Foto des Zählerplatzes, sehen Sie oft schon im Büro, ob der Wechsel möglich ist.
In der Kommunikation. Ein Aushang genügt bei Strom- und Gaszählern als Benachrichtigung, sagt aber nicht, ob am Termin jemand da ist. Bitten Sie deshalb um eine aktive Bestätigung. Am Vortag folgt eine Erinnerung per SMS oder Anruf, mit einem einfachen Weg zum Umbuchen, der auch abends funktioniert. Schreiben Sie in Aushang und Erinnerung, warum der Termin nötig ist, etwa weil die Eichfrist des Zählers abläuft oder der Messstellenbetreiber den Tausch vorgibt. Klären Sie mit dem Auftraggeber, wer Ihnen die Kontaktdaten der Bewohner liefert und auf welcher Rechtsgrundlage.
Wie Jarvis dabei hilft
Jarvis vereinbart Termine mit den Bewohnern per Telefon oder SMS und beantwortet dabei ihre Fragen. Bewohner können ihren Termin rund um die Uhr selbst bestätigen oder verschieben, etwa abends im Online-Portal, nachdem die Erinnerung gekommen ist. Jarvis plant Projekte bis zur Tagestour jedes Monteurs, Routenalgorithmen berechnen die Reihenfolge der Einsätze.
In der Jarvis-App sehen Monteure die Aufträge des Tages, auch offline im Keller. Trifft ein Monteur niemanden an, hält er das in der App mit Grund und Foto fest.
Wenn Fehlanfahrten in Ihren Projekten regelmäßig Zeit kosten, zeigen wir Ihnen gern, wie Jarvis Termine mit Bewohnern bestätigt und Touren plant. 15-Minuten-Walkthrough buchen
Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Klauseln von einem Anwalt prüfen, und klären Sie im Zweifel mit Ihrem Fachverband, welcher Mindestlohn für Ihren Betrieb gilt.
Von Valter Pasanen, Gründer, Grid Jarvis. Veröffentlicht am 2026-07-15.